Hauswert ermitteln: Ihr Leitfaden zur Immobilienbewertung in der Schweiz 2026
Der Schweizer Immobilienmarkt zeigt im Jahr 2026 eine bemerkenswerte Resilienz. Trotz moderater Zinsschwankungen bleibt das Eigenheim ein zentraler Vermögenswert, dessen präzise Bewertung – oft basierend auf hedonischen Modellen – für Eigentümer unerlässlich ist. Dieser Leitfaden bietet eine neutrale Übersicht über die Faktoren, die den Marktwert Ihrer Liegenschaft heute beeinflussen: von der kantonalen Lage und der Gebäudeenergieeffizienz bis hin zur aktuellen Nachfragesituation in Ballungszentren. Erfahren Sie, wie Sie transparente Daten nutzen, um eine fundierte Einschätzung Ihrer Immobilie im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld zu erhalten.
Den aktuellen Wert einer Immobilie zu kennen, ist in der Schweiz zentral für private Eigentümerinnen und Eigentümer. Der Markt ist regional sehr unterschiedlich, die steuerlichen Regeln variieren nach Kanton, und digitale Bewertungsangebote haben die Landschaft zusätzlich verändert. Umso wichtiger ist es zu verstehen, wie sich ein Marktwert überhaupt ergibt und welche Verfahren dahinterstehen.
Im Kern geht es bei der Immobilienbewertung darum, einen plausiblen Preis zu bestimmen, zu dem ein Objekt unter normalen Marktbedingungen innerhalb einer üblichen Frist verkauft werden könnte. Dabei spielen Lage, Objektart, Zustand, Nutzung, rechtliche Rahmenbedingungen und die aktuelle Nachfrage eine Rolle.
Hedonische Bewertungsmethode im Überblick
In der Schweiz hat sich für Wohnimmobilien die hedonische Bewertungsmethode weit verbreitet. Dabei wird der Wert eines Hauses oder einer Wohnung nicht isoliert geschätzt, sondern statistisch aus einer grossen Zahl tatsächlich bezahlter Kaufpreise abgeleitet. Vereinfacht gesagt analysieren Modelle, wie sich einzelne Merkmale – etwa Wohnfläche, Zimmerzahl, Baujahr, Standard, Lage oder Aussicht – in früheren Transaktionen auf den Preis ausgewirkt haben.
Für ein konkretes Objekt werden diese Merkmale erfasst und mit der Datenbank abgeglichen. Daraus entsteht ein statistisch hergeleiteter Marktwert. Vorteil dieser Methode ist ihre Nachvollziehbarkeit und die Möglichkeit, regionale Marktbesonderheiten abzubilden, sofern genügend Vergleichsdaten vorhanden sind. Grenzen bestehen dort, wo besondere Objekte mit sehr individueller Architektur, aussergewöhnlicher Lage oder fehlenden Vergleichsverkäufen bewertet werden müssen. In solchen Fällen ergänzen Fachleute die hedonische Methode mit zusätzlichen Ansätzen.
Standort, Steuern und Liegenschaftswert
Der Standort entscheidet nicht nur über die Nachfrage, sondern beeinflusst auch steuerliche Werte. In vielen Kantonen existieren neben dem Marktwert separate Steuerwerte oder amtliche Werte für Liegenschaften. Diese können deutlich unter dem Preis liegen, der am freien Markt erzielbar wäre, und dienen als Basis für Vermögenssteuer und teilweise auch für Liegenschaftssteuern.
Hinzu kommt der Eigenmietwert, der als fiktives Einkommen aus selbstbewohntem Wohneigentum versteuert wird. Auch er richtet sich nach kantonalen Vorgaben und weicht häufig vom tatsächlich erzielbaren Mietzins ab. Wer den Hauswert einschätzen möchte, sollte deshalb unterscheiden zwischen Marktwert für einen möglichen Verkauf, Steuerwerten für die Deklaration und Belehnungswerten, die eine Bank zur Festlegung der Hypothek heranzieht. Gerade bei Umfinanzierungen oder Erbregelungen lohnt es sich, diese verschiedenen Wertbegriffe bewusst zu prüfen.
Online-Schätzung oder Experten-Gutachten?
Digitale Tools ermöglichen heute eine schnelle Online-Schätzung des Immobilienwerts. Sie stützen sich in der Regel auf hedonische Modelle und wenige Eingabedaten wie Lage, Wohnfläche und Baujahr. Für eine erste Orientierung können solche Schätzungen hilfreich sein, etwa um ein Gefühl für die Grössenordnung des möglichen Verkaufspreises zu erhalten oder Szenarien zu vergleichen.
Ein Experten-Gutachten geht deutlich weiter. Sachverständige besichtigen das Objekt, prüfen Bauqualität, Zustand, rechtliche Besonderheiten wie Dienstbarkeiten oder Ausnützungsreserven und berücksichtigen lokale Marktgegebenheiten. Sie wählen je nach Objektart zusätzlich Ertrags- oder Substanzwertverfahren und dokumentieren ihre Einschätzung ausführlich in einem Bericht. Dies ist insbesondere dann sinnvoll, wenn der Wert in Streitfällen, bei komplexen Erbschaften, bei Scheidungen oder zur Absicherung gegenüber Behörden und Gerichten benötigt wird. Für einfache Standardobjekte kann hingegen eine Kombination aus Online-Schätzung und Einschätzung einer lokalen Fachperson ausreichend sein.
Bodenrichtwerte in Zürich und Genf 2026
Bodenrichtwerte geben grob an, welcher Wert pro Quadratmeter unbebauten oder nur teilweise bebauten Landes in einem bestimmten Gebiet anzusetzen ist. Gerade in städtischen Zentren besteht ein erheblicher Anteil des Gesamtwerts einer Liegenschaft oft aus dem Bodenwert. Dies gilt in besonderem Mass für Städte wie Zürich und Genf, die seit Jahren zu den teuersten Immobilienmärkten der Schweiz zählen.
Die zuständigen kantonalen Stellen veröffentlichen regelmässig Karten und Tabellen mit Orientierungswerten, die je nach Quartier, Erschliessung, zulässiger Ausnützung und Lage differenziert sind. Für das Jahr 2026 ist entscheidend, stets auf die aktuellsten Publikationen der Kantone zurückzugreifen, da sich Richtwerte aufgrund neuer Transaktionen oder Anpassungen der Planungsgrundlagen verändern können. Wer den Wert eines Hauses in Zürich oder Genf abschätzen möchte, sollte deshalb prüfen, wie hoch die einschlägigen Bodenrichtwerte im Quartier sind und wie sie sich im Verhältnis zum Gebäudewert auswirken.
Energetische Sanierung und Marktwert 2026
Energieeffizienz und Klimaschutz gewinnen im Schweizer Immobilienmarkt kontinuierlich an Bedeutung. Gebäude mit moderner Dämmung, effizienten Heizsystemen oder erneuerbaren Energieträgern verursachen tiefere Betriebskosten und stossen weniger CO₂ aus. Das macht sie für viele Käuferinnen und Käufer attraktiver und kann sich positiv auf den Marktwert auswirken.
Energetische Sanierungen – etwa der Ersatz einer alten Ölheizung, die Dämmung der Gebäudehülle oder der Einbau von Solaranlagen – verbessern nicht nur den Energieverbrauch, sondern oft auch den wahrgenommenen Komfort und Standard des Hauses. In der Bewertungspraxis fliessen solche Massnahmen über einen besseren Gebäudezustand, tiefere Unterhaltsrisiken und teils höhere Nachfrage in den Marktwert ein. Gleichzeitig ist wichtig zu beachten, dass nicht jede Investition eins zu eins im Wert abgebildet wird. Entscheidend sind die Qualität der Ausführung, die Abstimmung auf das Gebäude und die Erwartungen des regionalen Markts im Jahr 2026.
Ein strukturierter Blick auf die vorhandene Bausubstanz, geplante Sanierungsschritte und verfügbare Förderprogramme hilft Eigentümerinnen und Eigentümern, sinnvolle Prioritäten zu setzen. Wer grössere Investitionen plant, sollte die Auswirkungen auf den möglichen zukünftigen Verkaufswert frühzeitig mit einer Fachperson besprechen.
Am Ende bleibt die Immobilienbewertung immer eine Momentaufnahme, die den Wert zu einem bestimmten Zeitpunkt unter den gegebenen Marktbedingungen abbildet. Für Entscheidungen rund um Verkauf, Finanzierung, Erbteilung oder Sanierungsstrategien kann es sinnvoll sein, unterschiedliche Informationsquellen zu kombinieren: eine solide Datengrundlage aus hedonischen Modellen, ein Verständnis für steuerliche Besonderheiten des Standorts und, bei Bedarf, die Einschätzung erfahrener Expertinnen und Experten. So entsteht ein realistisches Bild des Hauswerts, das den vielfältigen Rahmenbedingungen des Schweizer Immobilienmarkts im Jahr 2026 gerecht wird.